Das Fediverse und Österreich: Was ist da eigentlich (nicht) los?
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Eigentlich wäre sie da, die Alternative zu Big Tech in der Online-Kommunikation: Das Fediverse mit Diensten wie Mastodon, Pixelfed, Friendica oder Peertube entwickelt sich kontinuierlich weiter und ermöglicht eine Form der Kommunikation, die nicht von einigen wenigen Multimilliardären kontrolliert wird. Aber wo ist Österreich in diesem Bild? Wo sind die österreichischen Accounts?
Die von Cory Doctorow als „Enshittification“ beschriebene Entwicklung großer Plattformen schreitet derweil mehr oder weniger ungestört voran: immer mehr Kommerzialisierung, Datenverwertung, undurchsichtige Algorithmen, politische Einflussnahme. Was wir bei X als Worst-Case-Szenario erlebt haben, ist keineswegs nur ein Einzelphänomen, sondern eher das problematische Wesen der Struktur weiter Teile unserer digitalen Welt.
Trotz Debatten über digitale Souveränität und gemeinnützige Infrastrukturen unabhängig von den großen US-Playern bleibt die Online-Kommunikation auch in Österreich stark an proprietäre Plattformen gebunden. Nur wenige öffentliche Einrichtungen, Medienhäuser, zivilgesellschaftliche Organisationen oder auch Einzelpersonen sind im Fediverse sichtbar präsent. In vielen österreichischen Redaktionen und unter Journalist:innen ist das Thema kaum oder – folgt man manchen Mediendebatten – offenbar gar nicht bekannt. Warum eigentlich?
Einen Gegenakzent setzt beispielsweise seit zwei Jahren die Universität Innsbruck mit einer eigenen Mastodon-Instanz auf universitätseigenen Servern, angebunden an Single Sign-on, offen für alle Mitarbeiter:innen und eingebettet in die Kommunikationsstrategie „Open Science Communication“ inklusive einer engen Zusammenarbeit mit Wikimedia Österreich. Gerade öffentliche Institutionen können hier eine Vorreiter- und Vorbildfunktion einnehmen.
Verglichen mit Entwicklungen etwa in Deutschland und Frankreich stellt sich die Frage, welche Allianzen zwischen Verwaltung, Hochschulen, Medien und unterschiedlichen Communities entstehen können, damit das Fediverse in Österreich stärker verankert wird. Die Grazer Linuxtage könnten dabei als Ort dienen, an dem sich Menschen mit ähnlichen Anliegen begegnen und nächste Schritte für mehr Sensibilisierung und Vernetzung im österreichischen Kontext besprechen.
Wir brauchen auch hierzulande viel mehr: Open Communication.
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