Jonas Bostelmann and Valentina Schmidt
GeoAI – die Verbindung von Geoinformatik und Künstlicher Intelligenz – ermöglicht auch im behördlichen Umfeld die automatisierte und reproduzierbare Verarbeitung großer Geodatensätze in kürzester Zeit. Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) bietet GeoAI-as-a-Service an. Dadurch werden Entwicklung und Betrieb nachhaltiger Open Source Lösungen im Bereich GeoAI langfristig sichergestellt.
Aktuelle und fachlich verlässliche räumliche Daten sind Grundlage für zahlreiche Entscheidungen in der öffentlichen Verwaltung. Es gibt hohe Anforderungen an Aktualität, räumliche Abdeckung, sowie semantische und geometrische Vollständigkeit. Die Menge und Vielfalt der verfügbaren Geodaten übersteigt jedoch zunehmend die Möglichkeiten klassischer, rein regelbasierter Auswertungsverfahren.
Deep Learning Verfahren können räumliche Muster in den Geodaten automatisiert, reproduzierbar und konsistent erkennen. Ihre technische Leistungsfähigkeit ist erprobt. Die Entwicklung eines Deep Learning Modells ist heute auch für Behörden machbar. Schwieriger ist jedoch der Schritt zu einer verlässlichen, dauerhaft nutzbaren Anwendung. Dafür sind stabile Datenpipelines, reproduzierbare Trainings- und Inferenzprozesse, die Versionierung von Modellen und Datensätzen, regelmäßiges Re-Training, Monitoring und fachliche Abnahmen im Betrieb erforderlich. Diese Anforderungen erzeugen einen kontinuierlichen und planbaren Betriebsaufwand. Es wäre für einzelne Behörden weder wirtschaftlich noch zielführend, diese Infrastrukturen jeweils separat aufzubauen.
Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) stellt GeoAI deshalb als Software-as-a-Service bereit. Die KI-Verfahren werden als dauerhaft betriebene, skalierbare Infrastruktur konzipiert und umgesetzt, mit klar geregelten Zuständigkeiten für Entwicklung, Betrieb, Aktualisierung und Qualitätssicherung.
Zentral dabei ist eine Open-Source-first-Strategie. Die Dienste basieren auf offenen Komponenten und transparenten Verarbeitungsketten. Nutzende bezahlen nicht für die Nutzung eines proprietären KI-Modells, sondern für Betrieb, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung einer gemeinsamen, öffentlichen Lösung. Dadurch entsteht ein strukturiertes Finanzierungsmodell für Open Source: Die Nutzung der Services trägt zu ihrer Weiterentwicklung bei, statt öffentliche Mittel für nicht nachhaltige, kommerzielle Einzellösungen zu verwenden.
Die Bereitstellung von GeoAI-as-a-Service erfolgt z.B. über die Deutsche Verwaltungscloud (DVC). Behörden nutzen dort standardisierte Vertrags- und Bezugsmodelle auf Basis bestehender Inhouse-Beziehungen. Das reduziert den Aufwand individueller Vergabeverfahren erheblich und ermöglicht einen schnellen und rechtssicheren Einsatz.
Aktuell betreibt das LGLN Dienste zur KI-Gebäudeerkennung, zur Analyse von Versiegelung und Entsiegelungspotenzialen sowie zum Vegetations- und Küstenmonitoring. Fachlich unterschiedliche Aufgaben teilen eine gemeinsame technische Grundlage. Rückmeldungen aus der täglichen Arbeit in den Ämtern fließen systematisch in die Weiterentwicklung ein.
GeoAI zeigt in der öffentlichen Verwaltung Wirkung, wenn es als skalierbare, offene, weiterentwickelbare Infrastruktur verstanden und betrieben wird. GeoAI-as-a-Service schafft dafür die organisatorische, technische und finanzielle Basis.
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