Von Glashäusern und Steinewerfen. Strategische, rechtliche und politische Überlegungen vor dem zurück hacken

Matthias Schulze

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Es ist unklar, inwiefern hackbacks tatsächlich zur Erreichung politischer Ziele, nämlich dass Angriffen aufhören oder verhindert werden, taugen. Neben der Frage der Effektivität, stellen sich eine ganze Menge strategischer, politischer und rechtlicher Fragen, bevor ein Gegenangriff initialisiert wird. Der Talk wirft genau diese Fragen auf, die sich politische Entscheidungsträger stellen wollten, bevor sie vorschnell zum Mittel des Hackbacks greifen.

Die Anzahl jährlicher Cyber-Angriffe steigt wie gewohnt und immer mehr Staaten nutzen digitale Fähigkeiten immer offensiver: Russland zur Beeinflussung von Öffentlichkeiten und des Informationsumfeldes, China zur wirtschaftlichen Spionage und zum technologischen leap-frogging, Nord-Korea zum Umgehen von Sanktionen und zur Aufbesserung der Staatskasse und die USA zur weltweiten Machtprojektion und politischen Spionage. In die Cyber-Offensive werden viel Zeit, Energie und Geld gesteckt. Dagegen ist innerhalb der meisten Staaten vollkommen ungeklärt, wie man auf Cyber-Angriffe zu reagieren habe. Eindrücklich zeigt sich dies etwa an Vorfällen wie dem Sony Hack 2014, oder der Beeinflussung der US Wahl 2016, wo die größte Cyber-Macht der Welt, relativ ratlos dastand. Auch in kleineren Staaten wie Deutschland und Frankreich herrscht allgemeine Rat- und vor allem Strategielosigkeit, wie man politisch auf Cyber-Angriffe reagieren soll. Es scheint nur schlechte Optionen zu geben: internationale Anklageschriften haben nur symbolischen, aber keinen operativen Effekt auf Angreifer. Wirtschaftliche Sanktionen sind ungenau und oftmals ebenso wenig effektiv. Abschreckung funktioniert im Digitalen nicht. Rüstungskontrollregime sind nicht in Sicht. Aufgrund dieser Ratlosigkeit experimentieren immer mehr Staaten mit digitalen Gegenreaktionen, „hack backs“ oder euphemistisch, aktive Cyber-Verteidigung genannt. Dabei ist die Wirksamkeit von „hack backs“ umstritten. Inwiefern taugt das Mittel zur Erreichung politischer Ziele? Hören danach Angriffe wirklich auf? Was sind etwa die geostrategischen Implikationen, wenn man gegen russische oder iranische APT zurückschlägt? Wie sieht die Eskalationsleiter aus und wer hat die Eskalations-Dominanz? Wo sind eigene rote Linien? Neben diesen strategischen Fragen stellen sich für die Zivilmacht Deutschland auch völkerrechtliche Fragen. Nicht auf jeden Hack darf nach dem Völkerrecht reagiert werden, insbesondere wenn die Attribution unklar ist. Gegenreaktionen müssen völkerrechtlich proportional und zeitnah geschehen, was operativ nicht trivial zu realisieren ist. In Deutschland stellen sich aber auch konkrete verfassungsrechtliche Hürden, die verhindern, dass Deutschland in Friedenszeiten Schäden in fremden Territorien anrichtet. Der Talk wirft Fragen auf, die sich politische Entscheidungsträger stellen sollten, bevor sie zum Mittel des Hackbacks greifen.

####Aufzeichnung: [**hier**](https://youtu.be/Z1qQieYd7SY)
####Folien: [**hier**](https://prezi.com/view/VpI0fsChveMp1i7dO2OS)

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